I am sick of PCOS

Ich habe die Diagnose PCOS im Sommer 2013 bekommen. Und sie war, wie ihr es wohl denken und auch nachvollziehen könnt, niederschmetternd für mich.

Doch eigentlich hatte ich so etwas in der Art schon geahnt.

Als ich das erste Mal meine Periode bekommen habe, war ich 13 Jahre alt und ich war grade für 3 Wochen alleine in England gewesen. Ich habe mich zum Teil gefreut, dass ich sie bekomme und zum Teil hat es mir Angst gemacht, da ich nicht wirklich wusste was auf mich zukommen würde.

Was ich aber auf jeden Fall von Anfang hatte, waren üble Unterleibsschmerzen und Migräneanfälle die ich zu dieser Zeit auch bekommen habe.

Dann habe ich relativ früh mit 16 die Pille bekommen. Dadurch hat sich bei mir aber nichts verändert. Ich hatte trotzdem starke Schmerzen und Migräne. Aus diesem Grund habe ich die Pille früh selber wieder abgesetzt.

Meine Periode kam und ging, doch immer unregelmäßiger. Immer mehr Krämpfe immer häufiger Migräne und plötzlich fing ich an am Bauch herum zuzunehmen. Außerdem hatte ich mehrmals Monate, wo ich so heftige Blutung hatte, dass ich nachts in der Badewanne saß, weil nichts dicht hielt. Und das ging über Wochen. Deswegen bin ich mit 18 wieder zum Frauenarzt und der hat nur etwas von Zysten erzählt mich aber sonst nicht aufgeklärt. Er hat mir wieder die Pille verschrieben (die Luvyna) und das wars.

Damals hatte ich schon so langsam das Gefühl das etwas ganz und gar nicht stimmt mit meinem Körper. Ich fing an Sport zu machen und mich etwas bewusster zu ernähren, da ich jedoch nichts von der Krankheit wusste, blieb ich eher halbherzig dabei. Ich hatte wieder mein Normalgewicht und alles war wie „immer“.

Doch irgendwann wollte ich wissen was Sache ist und ich bin zu einem anderen Frauenarzt gegangen. Sie nahm Blut ab und untersuchte mich. Das Ende vom Lied war meine Diagnose PCOS.

Sie erklärte mir, dass es zu viele männliche Hormone im Körper seien, die den Eisprung unterdrücken würden und dass ich die Pille auf jeden Fall weiter nehmen soll. Denn ohne Pille wird sich alles verschlimmern. Ich würde dick werden, ich würde meine Haare verlieren und ich würde Haare bekommen, die eher für Männer typisch sind.

Für mich meine persönliche Horrorvorstellung.

Außerdem sagte sie mir, dass ich auf natürlichem Wege keine Kinder werde bekommen können, aber falls ich einen Kinderwunsch bekommen sollte, dann würde es schon alternative Wege geben. Damit schickte sie mich heim.

Ich habe es ehrlich gesagt erst gar nicht wirklich realisiert und verstanden was sie mir sagte. Ich habe gegoogelt und alles was ich gelesen habe, bestätigte das was sie mir sagte.

Es war schlimm. Ich habe mich gefühlt, als hätte man mir meine Weiblichkeit genommen. Ich habe mich nicht mehr als Frau und mich auch nicht mehr als Liebenswert gesehen. Obwohl ich mich dadurch nicht als Frau identifizieren und definieren wollte, fühle ich mich unvollständig.

Das einzige was ich versucht habe um damit klarzukommen war Sport. Ich trainierte beinahe exzessiv im Fitnessstudio und bin darüber wieder mehr in die bewusste Ernährung gekommen. Doch sonst hatte ich nicht viel Ahnung was ich machen könnte.

2014 war ich mit meiner Mutter in Chile gewesen, wir haben unsere Familie und Freunde besucht. Und dabei landeten wir irgendwann in der Nähe von La Serena bei Freunden meiner Großeltern.

Wir wurden von ihnen herzlich in ihr zu Hause eingeladen, mitten im Nichts. Ein kleines Häuschen und ein gigantisches Grundstück. Eine kleine Oase in der Wüste. Ich kam mir vor als wäre ich im Paradies gelandet.

Sie war es, die mir sagte was ich machen kann. Sie war es die mir neue Hoffnung gab und mich gelehrt hat, dass Pflanzen kraft haben und heilen können. Sie sagte mir, dass ich auf natürlichem Wege auf jeden Fall irgendwann Kinder bekommen kann.

Sie gab mir Tinkturen und Teerezepte mit auf dem Weg. Außerdem gab sie mir eine Liste von Lebensmitteln, welche ich nicht essen sollte und welche gut sind. Und siehe da, drei Monate später waren meine Zysten weg.

Ich fing immer mehr an mich mit dem Thema PCOS auseinanderzusetzen und zu lernen. Ich stellte meine Ernährung nach und nach immer mehr um, ich trank immer mehr die „PCOS“- Tees, ich machte mir Sitzbäder, ich hielt meinen Bauch warm und machte mir Packungen drauf. Ich machte Sport und hatte das erste Mal das Gefühl, dass ich die Oberhand gewann, Migräneattacken hatte ich noch, doch das erste Mal wurden meine Bauchkrämpfe weniger.

Die Bauchkrämpfe an sich habe ich mit den Tees erträglich gemacht. Aber seit ich die Menstruationstasse nehme (Beratung bei Ladyways.de) sind die Schmerzen fast komplett weg!!!  Für mich eine enorme Steigerung der Lebensqualität!!

Da es mir mit der Pille aber dennoch nicht gut ging, war ich schon lange am überlegen, dass ich sie absetze. Natürlich hatte ich Angst, dass dann die Symptome wieder aufflammen und ich zunehme, oder meine Haare verliere, dass ich Pickel bekomme etc. Doch eigentlich dachte ich mir, dass ich es schon versuchen sollte.

So setzte ich die Pille ab und fing mit NFP an. Also das Messen der Basalttemperatur, das Untersuchen des Zervix Schleims und des Muttermundes. So kann ich genau den Zeitpunkt bestimmen wann ich einen Eisprung habe und ob er sich verschiebt oder nicht. Die ersten 4 Zyklen waren super regelmäßig für meine Verhältnisse. Doch der 5te Zyklus dauerte ca. 50 Tage. Trotzdem will ich die Pille nicht mehr nehmen. Ich habe erst im Nachhinein gemerkt, dass die Pille mich latent depressiv gemacht hat. Und das will ich einfach nicht mehr.

Nach dem Absetzen der Pille war ich auch bei einem Allgemeinarzt, der sich mit Naturheilverfahren auseinander setzt. Bei ihm habe ich einen Nahrungsmittelunverträglichkeitstest und ein großes Blutbild gemacht. Siehe da, Vitamin D3 Mangel. Nachdem ich davon erfahren habe, habe ich gelesen, dass fast alle PCOS Frauen unter Vitamin D3 Mangel leiden, und dass die Symptomatik sich unter der Einnahme von Vitamin D3 verbessern kann. Also gut, dachte ich mir. Dann nehme ich jetzt auch Vitamin D3.

Außerdem hat der Doktor festgestellt, dass ich Hefe, Weizen, Milch und Ei unverträglich bin. Das hat mich schon ziemlich überrascht, aber auch hier dachte ich mir, gut ich trinke eh keine Milch mehr, dann sollte der Schritt jetzt auch nicht mehr allzu schwer sein.

Es war aber schwer, doch es hat sich gelohnt. Ich bin wacher, konzentrierter und habe viiiiiieeeeel weniger Kopfschmerzen und Migräne.

Und so sieht es heute bei mir aus.

Ich habe PCOS und habe meine Probleme damit den Alltag zu meistern. Ich nehme verschiedene Nahrungsergänzungsmittel und habe meine Ernährung einmal komplett auf links gedreht. Ich trinke jeden Tag verschiedene Kräutertees, die den Körper unterstützen und helfen, normal zu funktionieren. Ich mache Yoga, um meine innere Ruhe zu bewahren und meinen Körper wach und fit zu halten. Ich habe keine Gewichtsprobleme (jedenfalls noch nicht) ich habe keine Probleme mit unerwünschter Behaarung oder mit Haarausfall (noch nicht). Wenn ich mal nicht aufpasse was ich esse, habe ich heftige Kopfschmerzen und um den Eisprung und während der Periode herum habe ich immer noch ab und zu Migräne. Aber es geht mir besser denn je, und es geht mir weitaus besser als anderen PCOS Frauen.

Und deswegen habe ich den Schritt gewagt ein Blog zu starten, in dem ich von meinem Leben mit PCOS erzähle und wie ich damit umgehe.

Ich möchte anderen Frauen Anregungen und Tipps geben, in der Hoffnung dass ich helfen kann. Denn ich weiß was die Diagnose bedeutet. Und ich weiß wie wenig man von der Gesellschaft in Sachen Akzeptanz und Verständnis erwarten kann.

6 Gedanken zu “I am sick of PCOS

    • Hallo, Dankeschön 🙂
      Ich nehme Vitamin D3 5000 I.E. jeden Tag. Außerdem nehme ich silicea gel kapseln für haut, haare und nägel.
      Zusätzlich nehme ich seit 3 Monaten Clavella, da das bei mir auch ganz gut wirkt. 🙂

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  1. Hallo,
    ich finde den Blog auch sehr interessant, nur habe ich leider keinen Arzt der mit mir an einem Strang zieht, um zu gucken, was ich zB für Unverträglichkeiten habe. Der Laktoseintoleranztest war unauffällig, Diabetes hab ich auch nicht. (noch nicht)
    Schilddrüse ist noch nicht untersucht… Naja… Wie gesagt kein mir bekannter Arzt nimmt PCOS ernst…
    Ich hatte bisher nur Haarausfall und Bartwuchs. Nicht schön, aber ich nehme erstmal Zink ein, weil der Körper das für die Haare braucht, meine Pickel wurden nach der Anti-Androgynen Pille besser und meine Frauenärztin meinte irgendwas, dass ich bei Kinderwunsch vorübergehend eine andere Tablette nehmen muss, damit ich schwanger werden kann. Ich habe noch echt wenig Ahnung und so bin ich auch auf diesen Blog gestoßen und finde ihn sehr gut gelungen.

    Viele Grüße
    Svenja

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  2. Toller, Mut machender Blog! Leider macht sich wirklich kaum jemand Gedanken, wie man PCOS zum Positiven beeinflussen könnte. Die Ernährungstipps erscheinen einleuchtend und decken sich mit meinen 25 Jahren PCOS-Erfahrung (freilich großteils überdeckt von Pilleneinnahme). Danke dafür!

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