Mein Stern Interview über PCOS

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Das Komplette Interview ist hier zu lesen:

Könntest du in ein, zwei Sätzen kurz erklären, was das PCO-Syndrom ist?

Das PCOS oder das Polyzystisches Ovarialsyndrom ist eine hormonelle Erkrankung bei Frauen bei denen die Hormone im Ungleichgewicht sind. Das heißt, das LH/ FSH Verhältnis stimmt nicht mehr überein und die männlichen Hormone sind zu hoch, was zu vergrößerten Eierstöcken, häufig zu Gewichtszunahme, Akne, unerwünschter Behaarung und mehr führt.

 

Wie und wann wurde es bei dir diagnostiziert? Bist du mit einem konkreten Verdacht/Problem zum Arzt gegangen?

Ich war damals ca. 18 Jahre alt, als ich zu einem Gynäkologen ging. Ich hatte zwar einen regemäßigen Zyklus, aber Schmerzen während der Periode. Er verschrieb mir die Pille und das wars. Mehr hat er nicht gesagt. Ich habe, da ich die Pille damals schon kritisch gesehen habe, diese mit ca. 20 oder 21 wieder abgesetzt. Mein Zyklus hat damals dann völlig verrückt gespielt. Er war völlig unregelmäßig und ich hatte wieder heftige Schmerzen während der Periode. Als ich dann einen Monat komplett durchgeblutet habe, bin ich wieder zur Gynäkologin, diesmal einer anderen, gegangen. Diese hat bei mir die klassischen vergrößerten Eierstöcke gesehen und in meinem Blut vermehrte männliche Hormone festgestellt. Kurzum es wurde PCOS festgestellt.

 

Wie ging es dir nach der Diagnose? Welche Gedanken hast du dir gemacht?

Die Diagnose war für mich ehrlich gesagt ein Schock.  Ich hatte zwar irgendwie damit gerechnet, doch es gesagt zu bekommen, ist eine ganz andere Nummer. Ich konnte gar nicht wirklich erfassen, was da los war mit mir.

In meinem Kopf schwirrten nur die Wörter  „Unfruchtbar“ „zu viele männliche Hormone“.

Ich wusste erst mal auch nicht mehr, wie ich mich als Frau definieren kann. Denn unbewusst, definiert man sich irgendwie schon darüber, dass man später Mutter wird. Zumindest habe ich das getan. Und das wurde mir einfach so genommen. Ich fühlte mich nicht mehr als Frau und nicht mehr begehrens- und liebenswert. Für mich war das schon schlimm gewesen.

Hattest du auch die Sorge bezüglich einer zukünftigen Schwangerschaft?

Eigentlich hatte ich damals so gar keinen Kinderwunsch. Ich konnte mir auch gut vorstellen gar keine Kinder zu bekommen. Doch nach der Diagnose, kamen die Sorgen. Vor allem, da meine Gynäkologin sagte, dass ich Unfruchtbar bin. Ich fühlte mich entmündigt – mir wurde die Möglichkeit genommen, selbst entscheiden zu können, ob ich Kinder möchte oder nicht.

Was war für dich der schlimmste Aspekt an der Tatsache, unter PCOS zu leiden?

Ich habe es lange verdrängt. Aber in mir hat es schon geschwelt. Vor allem, dass Gefühl, dass man nicht mehr Weiblich ist. Das war damals wohl seelisch der schlimmste Aspekt gewesen.

Dieses Gefühl ging erst weg, als ich meinen jetzigen Freund kennengelernt habe. Denn er hat mich komplett mit meiner Krankheit so akzeptiert wie ich bin. Und ihm habe ich es direkt am Anfang gesagt, dass er mit mir wohl nicht mit Kinder rechnen kann. Er sagte, dass es nichts machen würde, zur Not gäbe es ja auch die Adoption. Und damit viel mir wirklich ein gewaltiger Stein vom Herzen. Ich glaube er weiß bis heute nicht, wie sehr mich diese Worte entlastet haben. Und ich konnte wieder lernen mich mit meinem Körper einfach zu akzeptieren.

 

Welche Ratschläge hast du vom Arzt bekommen? Solltest du Medikamente/die Pille nehmen?

Meine Ärztin verschrieb mir die Pille. Sie sagte nur, wenn mal ein Kinderwunsch bestünde, würden wir weiter sehen. Ratschläge gab es keine.

Hast du dich beim Arzt gut aufgehoben und informiert gefühlt?

Ich habe mich ehrlich gesagt ganz schön alleine Gefühlt. Beim zweiten Besuch, erklärte Sie mir zwar grob was PCOS ist, aber für mich war das immer noch zu wenig. Da sie stets im Zeitdruck ist, traute ich mich nicht mal genauer nachzufragen. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich mit meinen Sorgen und Ängsten nicht ernst nehmen würde.

Woher hast du weiterführende Informationen über die Krankheit bekommen?

Im Internet. Ich habe gegooglet und gegooglet. Ich bin immer weiter in die Materie eingestiegen und hatte stets das Gefühl, dass ich trotzdem noch gar nichts weiß. Ich habe mich das erste Mal mit dem weiblichen Zyklus auseinander gesetzt, und wie er funktionieren sollte. Ich wollte verstehen was bei mir schief ging.

Ich habe gelesen wieso häufig eine Insulinresistenz mitauftritt und dass viele Frauen mit der Schilddrüse ebenfalls Probleme haben. Ich habe Zusammenhänge gesucht und gefunden. Häufig saß ich dann mit einem „aha“-Effekt vor dem Rechner, nur um kurz danach noch mehr Fragen zu haben.

Und was empfiehlst du Frauen, die mit einer frischen PCOS-Diagnose dastehen – wie sollen die nun am besten vorgehen?

Auf jeden Fall Ruhe bewahren. Sich und und ihren Körper kennenlernen und Zeit geben. Leider wird PCOS ganz oft im Zuge einer Kinderwunsch-Behandlung festgestellt. Gerade da ist man anfällig, sich selbst ganz schön fertig zu machen und den Ärzten blind zu vertrauen.

Ich empfehle diesen Frauen ihren Zyklus mit der NFP-Methode zu überwachen. Erst damit kann man sich sicher sein, wann ein Eisprung war. Die Ovulationstests sind da sehr häufig falsch-positiv, da sie das LH im Urin messen. Bei PCOS ist das LH aber häufig erhöht, ohne dass ein Ei wirklich springen kann. Wenn man nach NFP den Zyklus überwacht, misst man die Temperatur jeden Morgen und den Stand des Muttermundes. Ebenfalls wird der Zervixschleim untersucht. Mir hat das sehr geholfen zu verstehen, was mein Körper macht und wieso es mir an einem Tag so geht und an einem anderen Tag anders.

Für eine Frau, die gerade mitten in der Kinderwunschplanung steckt, kann das sehr hilfreich sein, einzuschätzen wann der Eisprung ist und wann sie dann spaß haben kann.

Auch Frauen, die gerade keinen Kinderwunsch mehr haben, oder damit abgeschlossen haben, empfehle ich NFP. Außerdem sollten sich Betroffene irgendwas suchen, wo sie abschalten können. Ich zum Beispiel mache zweimal die Woche Yoga. Das ist gut für den Körper und gut für den Geist.

Hat dir eine Ernährungsumstellung geholfen, die Symptome zu besiegen? Kannst du erklären, wie du da rangegangen bist?

Meine Ernährungsumstellung begann, als ich mit meiner Mutter in Chile war. Wir besuchten Verwandte und Freunde der Familie. Darunter war eine Frau, die sich mit Heilkräuter sehr gut auskannte. Sie war die erste die mir wirklich zuhörte und versuchte mir zu helfen. Sie hat in verschiedenen Büchern nachgelesen und mir verschiedene Heilkräuter ans Herz gelegt.

Darunter war die Schafgarbe. Ich sollte jeden Tag Schafgarbentee trinken und damit Sitzbäder machen. Ich sollte mir meinen Bauch mit Vulkanasche einreiben und damit schlafen. Und sie gab mir eine Tinktur, die ich 3 Monate nehmen sollte. Darin sind Schafgarbe, Frauenmantel und Mönchspfeffer enthalten. Die anderen Zutaten weiß ich leider nicht mehr genau.

Sie empfahl mir auch, auf Milch- und Fleischprodukte zu verzichten und meinen Fokus auf dunkles Blattgrün zu legen. Ebenfalls sollte ich auf Koffein und Zucker, auch in Form von Weißmehlprodukten, verzichten.

Ich habe das alles getan und 3 Monate später sahen meine Eierstöcke normal aus. Meine Schmerzen während der Periode wurden besser und ich begann mich vitaler und gesünder zu fühlen. Ich glaube, wenn ich irgendwann ein Mädchen bekomme, darf sie den Namen dieser wundervollen Frau tragen.

Übergewichtige Frauen sollten ja z.B. ihr Gewicht reduzieren, was aber gerade durch PCOS wiederum schwieriger wird. Hast du da Tipps für Betroffene?

Übergewichtige Frauen leiden sehr häufig auch an einer Insulinresistenz. Viele haben auch Hashimoto bzw. eine Schilddrüsenunterfunktion. Ich kenne einige Frauen über Selbsthilfegruppen in Facebook. Diese ernähren sich streng Low-Carb. Ich würde ihnen aber ebenfalls empfehlen auf Fleisch- und Milchprodukte zu verzichten. Oder zumindest nur hochwertige Produkte beim Bauern zu kaufen. Denn ich habe das Gefühl, dass gerade in den industriell verarbeiteten Produkten zu viele Stresshormone, Medikamente etc. stecken, die den empfindlichen Hormonhaushalt bei uns noch weiter stören.

Außerdem sollte man anfangen Sport zu machen. Damit werden die Insulinrezeptoren aktiviert und stimuliert, der Kreislauf kommt in Gang und man wird auch emotional Glücklicher.

Und was kann eine betroffene Frau an ihrem Lebensstil ändern, wenn sie gar nicht übergewichtig ist und trotzdem etwas gegen die Krankheit tun möchte?

Naja, ich habe auch viel geändert. Ich habe meine Ernährung einmal komplett auf links gedreht. Ich merke auch immer, wenn ich mal nicht so streng mit mir war, dass sich das sofort auf meinen Zyklus auswirkt.

Zb. habe ich im letzten Zyklus ganz gern mal zur Schokolade gegriffen, dafür aber wieder Menstruationsschmerzen gehabt.

Das Problem ist, wenn man nichts tut, dass der Körper plötzlich zunehmen kann. Man war die ganze Zeit schlank und plötzlich kommen die Kilos, die man so einfach nicht mehr loswird. Da sollte man auf jeden Fall vorbeugend was tun.

Wie geht es dir heute mit der Krankheit?

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Mir geht es allgemein sehr gut. Ich bin inzwischen ein sehr glücklicher und ausgeglichener Mensch. Bei mir hängt das sicherlich auch mit dem absetzen der Pille zusammen.

Die Krankheit beschäftigt mich schon jeden Tag, doch habe ich in den letzten zwei Monaten eine Pause gebraucht. Jeden Tag an das Essen zu denken, an die Tees zu denken an den Zyklus zu denken ist auch nicht gut. Es ist auch wichtig, dass man einfach nur lebt und mit Freunden mal einen Kuchen oder einen Kaffee trinken kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, oder Angst zu haben, dass das den Zyklus jetzt irgendwie kaputt macht.

Stattdessen war ich auf Facebook in den Selbsthilfegruppen aktiv und habe Tipps gegeben. Ich habe zum Beispiel auch eine NFP Gruppe extra für PCO Frauen gegründet. Da ich der Meinung bin, dass es auch ohne Pille funktioniert.

Aber Selbstzweifel habe ich nicht mehr. Ich habe mich mit der Krankheit so angenommen wie ich bin.

Mein Zyklus ist soweit ganz in Ordnung. Das einzige was mich ärgert ist, dass man nur dann adäquat behandelt wird. Wenn man sagt, dass ein Kinderwunsch bestünde.

 

Was rätst du Frauen, die so eine Diagnose auch psychisch trifft – einige der Symptome können ja durchaus das Gefühl verursachen, nicht „weiblich“ genug zu sein?

Das war bei mir auch so. Und es war wirklich schlimm. Aber es gibt noch so viel mehr, worüber man sich als Frau definieren kann. Gerade jetzt, wo das Thema Weiblichkeit so hinterfragt wird und viele Frauen auch zu ihren „unweiblichen“ Seiten offen stehen, findet man viele Gleichgesinnte. Am Schönsten ist man ja doch, wenn man lacht und glücklich ist. Ganz egal ob man dick oder dünn ist, ob man lange oder kurze Haare hat, was man Arbeitet oder Studiert. So sehe ich das inzwischen. Es war aber ein Prozess es so zu sehen. Ich war in Therapie, wo dieses Thema auch behandelt wurde. Das, mein Freund und mein überarbeitetes Selbstbewusstsein haben mir geholfen.

Daher würde ich auch eine Therapie empfehlen.

Es kann sehr befreiend sein, wenn man sich seine innersten Ängste von der Seele redet ohne sich verstecken oder verstellen zu müssen.

 

Was wären deine persönlichen Ratschläge an Betroffene?

Das klingt zwar plump, aber das wichtigste ist, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Sich selbst gutes Tun. Ich mache Yoga und finde darin Ruhe und Frieden.

Kampfgeist entwickeln und sich nicht unterkriegen lassen. Selbstbewusst im Leben stehen und offen über die Krankheit reden.

Das habe ich getan. Ich habe es jedem erzählt, der es wissen wollte, und jedem der es nicht wissen wollte. Das befreit  und erleichtert einen.

Kannst du mir noch ein paar Infos zu dir geben – wie alt du bist, ob du studierst/was du arbeitest und aus welcher Stadt du bist?

Ich bin 27 Jahre alt und Wohne in Darmstadt. Dort Arbeite im Sekretariat im Fachbereich Maschinenbau der TU Darmstadt und studiere Pädagogik.

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